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Tauchmedizin für Neurologen: Tauchunfälle sofort mit HBO behandeln und Symptome nicht mit Schlaganfall verwechseln
Alles, was innerhalb von 24 Stunden nach einem Tauchgang passiert, hat etwas mit dem Tauchen zu tun, so Frau Dr. Haizmann, Ärztin am Druckkammerzentrum Freiburg. In ihrem interessanten und mit vielen Detailkenntnissen geschmückten Vortrag am 23. März 2011 in Karlsruhe ließ sie zunächst zwei Tauchunfälle Revue passieren: Einer wurde als Schlaganfall eingestuft und behandelt, beim anderen der Tauchunfall zwar erkannt, von einer Druckkammerbehandlung mit Hyperbarem Sauerstoff (HBO) wurde aber zunächst abgesehen.
Druckkammerbehandlung bei Tauchunfällen vorrangig vor Schädel CT
Die Symptome eines Tauchunfalls können einem Schlaganfall täuschend ähnlich sein. Für den behandelnden Arzt ist die Vermutung eines Schlaganfalles naheliegend, besonders dann, wenn er sich nicht mit dem Tauchen befasst hat oder der Kranke den Zusammenhang mit einem Tauchgang nicht erkennt.
Bei einem Tauchunfall ist die Druckkammerbehandlung dabei internationaler sogenannter „Gold“-Standard, also weltweit anerkannt. Sie sollte möglichst rasch erfolgen - innerhalb der ersten 4 Stunden nach dem Tauchunfall wäre ideal. Wenn nach einem Tauchgang gesundheitliche Beschwerden wie bei einem Schlaganfall entstehen, z.B. Lähmungserscheinungen, ist die schnellstmögliche Druckkammerbehandlung vorrangig vor einem Schädel CT.
Notfallversorgung bei Tauchunfällen und Rauchgasvergiftungen mit HBO in Deutschland nicht gesichert
Dabei wird es immer schwieriger, in Deutschland behandlungsbereite Druckkammern zu finden. Eine Mutter von zwei Kindern verstarb, weil eine Druckkammer nicht dienstbereit war und dem Hubschrauber auf dem Flug zu einer anderen Einrichtung der Sprit ausging.
Hanspeter Klicznik, Geschäftsführer des Druckkammerzentrums Freiburg, bereitet diese Situation große Sorge: „Wir können ohne einen politischen Auftrag die Bereitschaft für eine Notfallversorgung auf eigene Kosten leider nicht sicherstellen. Eine solche Bereitschaft verursacht Personalkosten in Höhe von ca. 60.000 Euro. Ohne öffentliche Mittel können wir dies nicht leisten.“
Hintergrundwissen: Die wichtigsten Tauchgesetze
Boyle-Mariotte: Unter Druck verringert sich das Volumen einer Gasmenge – beispielsweise braucht der Taucher bei 10 m Tiefe doppelt soviel Luft wie an Land.
Dalton’sches Gesetz: Durch die Verdichtung der Gase atmet der Taucher beispielsweise bei 40 m Tiefe und bei einem Sauerstoffanteil von 21 % in der Atemluft, d.h. bei einem Partialdruck von 1,05 bar, im Vergleich zur Oberfläche reinen Sauerstoff, trotz normaler Pressluft in der Flasche. In gleicher Weise ist aber auch der Stickstoffanteil in der Druckluft in dieser Tiefe um ein fünffaches erhöht, das heißt statt 0,79 ist der eingeatmete Teil 3,95. Dieser Stickstoff kann dann beim Auftauchen Probleme bereiten.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 30. März 2011
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