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Patienten-Info zur HBO-Therapie

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Patienten-Info zur HBO-Therapie
Darreichungsformen der HBO
Gegenanzeigen und Sicherheit
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Gebrauchsinformation zur hyperbaren Sauerstofftherapie

 

Liebe Patientin, lieber Patient!

Bitte lesen Sie diese Gebrauchsinformation aufmerksam, weil sie wichtige Informationen darüber enthält, was Sie bei der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) beachten sollen. Außerdem sind die verschiedenen Therapie-Regimes oder Therapie-Anwendungsgrundsätze erläutert. Therapie-Varianten hängen grundsätzlich von der jeweiligen Grunderkrankung ab. Wenden Sie sich bei Fragen an den Dienst habenden Arzt im Druckkammerzentrum.

 

24-Stunden-Hotline eines Facharztes

Wir möchten, dass Sie einen in der Hyperbarmedizin und Tauchmedizin kompetenten Facharzt rund um die Uhr erreichen können.
Damit steht Ihnen ein Facharzt bei dringenden Fragen wie folgt zur Verfügung:
I. Während der Dienstzeiten von 8 – 16 Uhr (Mo–Fr) und Samstags von 10 – 13 Uhr:
Telefon: (07 61) 38 20 18
II. Außerhalb der Dienstzeiten: (0170) 20 26 111

 

Anwendungsgebiete

  • Akute und subakute Innenohrerkrankungen (Hörsturz mit und ohne Tinnitus, Schalltrauma, Tinnitus, Morbus Menière)
  • Bestrahlungs-Spätfolgen
  • Blasenerkrankung
  • Chronische Wunden
  • Knochenerkrankungen
  • Implantate
  • Transplantate
  • Traumatische Erkrankungen
  • Knochen
  • Weichteilgewebe, Blase, Strahlenzystitis, Interstitielle Zystitis

z. B. diabetisches Fußsyndrom, arterielle Verschlusskrankheit, Osteitis, chronische Osteomyelitis, aseptische Knochennekrose, z. B. Morbus Ahlbäck, Hüftkopfnekrose prophylaktisch vor dem Einsetzen osteointegrierter Implantate nach Strahlentherapie, kritische Lappenplastik oder kritisches Transplantat, Crush-Verletzung, traumatische Ischämie, Kontusion, Sportverletzung, Blutungsanämie.

 

Klassische Behandlungsbereiche

  • Dekompressionskrankheit (Caissonkrankheit/Tauchunfall)
  • Gasbrand-Infektion, andere nekrotisierende Weichteilinfektionen
  • Gasembolie
  • Kohlenmonoxid-Intoxikation
  • Sonstige / Weiterentwicklung
  • rezidivierendes kindliches Neuroblastom (Stadium IV) in Kombination mit Jod131-MIBG
  • chronische Lymearthritis bzw. Borreliose
  • Migräne, Clusterkopfschmerz
  • Schlaganfall / Rehabilitation

 

Dosierungsanleitung, Art und Dauer der Anwendung

Grundsätzlich wird unter der Sauerstoffmaske 100 % reiner Sauerstoff geatmet. Für die Erreichung des gewünschten Behandlungszieles sind meist mehrere Behandlungen erforderlich. Die Anzahl der Anwendungen richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung und wird vom Arzt im Druckkammerzentrum festgelegt, z. B.:

  • Migräne (10 Behandlungen)
  • Innenohrfunktionsstörungen (10 – 15 Behandlungen)
  • Chronische Wunden und andere Indikationen 20 – 30 Behandlungen
  • Gasembolie 5 Behandlungen

Die Anzahl der Behandlungen wird vom Arzt im Druckkammerzentrum festgelegt, gegebenenfalls in Abstimmung mit den außerdem behandelnden Ärzten und unter Berücksichtigung der Interessen des Patienten.
Eine Unterbrechung der Behandlung sollte mit dem diensthabenden Arzt besprochen werden; je nach Grunderkrankung ist eine möglichst durchgehende Behandlung zur Erreichung des bestmöglichen Behandlungsergebnisses sinnvoll. Die Behandlung kann grundsätzlich jederzeit beendet werden, ohne dass negative Folgen zu befürchten sind.

 

Drucktauglichkeitsuntersuchung vor Beginn der Behandlung

Vor Beginn der Behandlung ist eine eingehende Untersuchung erforderlich, die neben einer körperlichen Untersuchung aus einem EKG, einer Lungenfunktion, einem Tympanogramm und ohrmikroskopischen Untersuchungen besteht. Zum Ausschluss oder Nachweis möglicher Emphysembullae ist ein Röntgenbild der Lunge in ein- oder zwei Ebenen, nach Anordnung des Arztes, erforderlich.

 


Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO)

 

Wirkstoff: Sauerstoff unter Überdruckbedingungen.
Zusammensetzung: Medizinischer Sauerstoff (O2, flüssig, LOXmed-AM), über Konverter eingeatmet mit Hilfe einer Atemmaske, eines Tubus oder eines Kopfzeltes unter einem Behandlungsdruck, der über dem atmosphärischen Luftdruck liegt. Der jeweils in „bar“ angegebene Druck stellt den Gesamtdruck dar, also einschließlich des atmosphärischen Druckes von 1,0 bar.

 

Darreichungsformen der HBO

HNO: 2,5 bar Gesamtdruck (1,5 bar Überdruck), 2 x 30 Minuten reiner Sauerstoff
PW (Wundheilungsstörungen): 2,4 bar Gesamtdruck (1,4 bar Überdruck), 3 x 30 Minuten reiner Sauerstoff

 

Behandlung von Migräne: Migräne-Schema TS 200/40

  • Gesamtexpositionsdauer: ca. 60 Minuten
  • Sauerstoffzeit auf 2,0 bar: 40 Minuten
  • Kompression ohne Maskenatmung wegen des Druckausgleichs und der Verständigung
  • Dekompression mit Sauerstoff zur Vermeidung des Risikos einer arteriellen Gasembolie (AGE-Risiko)

 

Behandlung von cochleären Funktionsstörungen: Innenohr-Schema TS 250/60

  • Gesamtexpositionsdauer: ca. 95 Minuten
  • Sauerstoffzeit auf 2,5 bar: 60 Minuten
  • Kompression ohne Maskenatmung wegen des Druckausgleichs und der Verständigung
  • Dekompression mit Sauerstoff zur Minimierung des AGE-Risikos

 

Behandlung von chronischen Wunden, Knochenödemen und -nekrosen, Osteitis, Osteomyelitis, Lymearthritis (Borreliose), Tauchunfallspätbehandlungen: Problemwunden-Schema TS 240/90

  • Gesamtexpositionsdauer: ca. 135 Minuten
  • Sauerstoffzeit auf 2,4 bar: 90 Minuten
  • Kompression ohne Maskenatmung wegen des Druckausgleichs und der Verständigung
  • Dekompression mit Sauerstoff zur Minimierung des AGE-Risikos

 

Behandlung von clostridialen Myonekrosen und anderen nekrotisierenden Weichteilinfektionen, sowie CO-, Rauchgas- und CN-Intoxikationen: Behandlungsschema nach Prof. Boerema TS 300/90

  • Gesamtexpositionsdauer: 150 Minuten (ohne Kompression)
  • Sauerstoffzeit auf 3,0 bar: 90 Minuten
  • Kompression ohne Maskenatmung wegen des Druckausgleichs und der Verständigung
  • Dekompression mit Sauerstoff zur Minimierung des AGE-Risikos

 

Behandlung von akuten Tauchunfällen:

I. Behandlungsschema nach US-Navy Tabelle 5, modifiziert

  • Gesamtexpositionsdauer: ca. 135 Minuten (ohne Kompression)
  • Sauerstoffzeit: auf 2,8 bar: 40 Minuten, auf 1,9 bar 20 Minuten
  • Kompression ohne Maskenatmung wegen des Druckausgleichs und der Verständigung
  • langsame Dekompression mit Sauerstoff über jeweils 30 Minuten von 2,8 auf 1,9 bar und von 1,9 bar auf 1,0 bar (Umgebungsdruck).

II. Behandlungsschema nach US-Navy Tabelle 6, modifiziert

  • Gesamtexpositionsdauer: ca. 285 Minuten (ohne Kompression und ohne Verlängerung)
  • Sauerstoffzeit: auf 2,8 bar: 60 Minuten, auf 1,9 bar 120 Minuten
  • Kompression ohne Maskenatmung wegen des Druckausgleichs und der Verständigung
  • langsame Dekompression mit Sauerstoff über jeweils 30 Minuten von 2,8 auf 1,9 bar und von 1,9 bar auf 1,0 bar (Umgebungsdruck)
  • Verlängerungen sind – entsprechend dem klinischen Verlauf – bei 2,8 bar und bei 1,9 bar nach Entscheidung des diensthabenden Arztes möglich.

 


Gegenanzeigen

 

Bei Notfallbehandlung: keine
Bei nicht notfallmäßiger (elektiver) Behandlung: Akute cerebrale Anfallerkrankung, akute virale Infektion, bullöses Lungenemphysem, hereditäre Sphärozytose (Kugelzellanämie), hohes Fieber, Optikusneuritis, psychiatrische Erkrankung, Schwangerschaft, schwere chronische Lungenobstruktion oder Zustand nach Eingriffen am Ohr mit dem Verlust der Fähigkeit, einen Druckausgleich am Ohr herbeizuführen. Infektion des oberen Inspirationstraktes, Zustand nach thorakaler chirurgischer Intervention (relativ).

 

Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung und Warnhinweise

Welche Vorsichtsmaßnahmen müssen beachtet werden?
Vor der Behandlung: Im Falle von Druckausgleichsstörungen (z. B. Schnupfen, Erkältungskrankheiten, Nebenhöhlenbeschwerden, Grippe) bitte vor Beginn der Behandlung den diensthabenden Arzt informieren.
Nach der Behandlung: Wir empfehlen, nach der Behandlung noch 15 – 30 Minuten im Wartebereich zu verbleiben. Falls Müdigkeit besteht, sollte kein Fahrzeug geführt werden.

 

Sicherheit in der Druckkammer

Folgende Gegenstände dürfen nicht in die Druckkammer mitgebracht werden: Druckempfindliche Gegenstände, z. B. Lippenstifte, Uhren, Kugelschreiber, Gegenstände mit Hohlraum (Hohlräumen). Feuergefährliche Gegenstände, z. B. Tabakwaren, Streichhölzer, Gasflaschen, Handwärmer, Feuerzeuge, Schlüsselbund, Schmuck. Elektronische Geräte, z. B. Handy, Computer, elektronische Spiele, Walkmann, Auto-Fernbedienung Papiererzeugnisse und Zeitungen bitte auf ein Minimum begrenzen.
Bekleidung und Körperpflege: Empfohlen wird Bekleidung aus Baumwolle; nicht empfohlen werden synthetische Fasern, Kombinationen von Stoffen mit statischer Entladung. Auf Haarspray sowie Öle und Fette im Gesicht sollte verzichtet werden.

 

Wechselwirkungen

Hyperbarer Sauerstoff kann die Wirkung einer begleitend durchgeführten Antibiotika-Behandlung, einer Bestrahlungsbehandlung oder einer Chemotherapie verstärken. Umfang und Fortsetzung dieser Behandlungen sind daher vor Beginn der HBO zwischen den beteiligten Ärzten festzulegen. Herausnehmbare Hilfsmittel (z. B. Kontaktlinsen, Glasauge, Hörgerät) müssen vorher entfernt werden oder können nur mit Zustimmung des diensthabenden Arztes bei der Behandlung getragen werden. Nicht herausnehmbare Implantate (z. B. Herzschrittmacher, Medikamentenpumpen) bedürfen in aller Regel einer vorherigen besonderen Überprüfung. Brust- oder Hodenprothesen sollten dem diensthabenden Arzt berichtet werden.
Der Genuss von Alkohol vor der Behandlung steigert die Möglichkeit neurologischer Komplikationen und ist daher zu unterlassen.
Vor Beginn der Behandlung sollte zumindest eine leichte Mahlzeit eingenommen worden sein.
Der Genuss größerer Mengen koffeinhaltiger oder anderer dehydrierender Getränke vor der Therapie ist nicht sinnvoll.

 

Nebenwirkungen

Die meisten der nachfolgend aufgeführten Nebenwirkungen und Komplikationen lassen sich vermeiden, wenn die Angaben zu Vorerkrankungen vollständig sind und die Verhaltenshinweise (z.B. zum Druckausgleich) gewissenhaft befolgt werden. Patienten mit erhöhten Risiken können von der Behandlung ausgeschlossen werden.
Manche Patienten empfinden die Behandlung als anstrengend und fühlen sich nach der Behandlung müde oder abgeschlagen; andererseits sind gesteigerte Leistungsfähigkeit und Vitalität gleichfalls möglich. Durch Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr kann ein Gefühl entstehen, als ob ein Kissen auf den Ohren läge. Dieses Gefühl verschwindet meistens kurz nach Verlassen der Druckkammer oder kann mit Nasentropfen/-spray behandelt werden.
Gelingt der Druckausgleich ausnahmsweise nicht, können geschlossene luftgefüllte Körperhohlräume sowie das umgebende Gewebe durch die Druckänderungen geschädigt werden. So kann sich z. B. das Trommelfell bei der Drucksteigerung stark einwärts wölben, ggf. sogar einreißen (Barotrauma). Es können Schmerzen in den Stirnhöhlen oder anderen Nasennebenhöhlen entstehen. Lungendruckverletzung (äußerst geringes Risiko eines Lungenrisses, Lungenfibrose). Reversible Sauerstoffüberempfindlichkeit des Gehirns (Sauerstoffkrampf, Taubheitsgefühl in den Fingern oder im Gesicht, Seh- oder Hörstörung). Vorübergehende Verschlechterung des Sehvermögens (z. B. bei Kurzsichtigkeit), vorübergehende Besserung des Sehvermögens (z. B. bei Weitsichtigkeit).
Beginnende Schmerzen oder andere Anzeichen von Unwohlsein sind dem Personal (Arzt, Ärztin, Druckkammerbediener/in, Druckkammerassistent/in) sofort zu melden, um weitergehende Komplikationen zu vermeiden.
Bei Patienten mit akuter oder chronischer Bronchitis, Asthma oder Lungenblähung (Emphysem) ist das Risiko einer Lungenkomplikation deutlich erhöht.